72. Lindauer Psychotherapiewochen 2022

Fachtagung zur Fortbildung und Weiterbildung in Psychotherapie, Psychiatrie und Psychosomatik.

Das Programm geht voraussichtlich Ende Januar 2022 online, ab dann können Sie sich hier anmelden.
Ein gedrucktes Programm wird in diesem Jahr nicht verschickt, auch um Flexibilität zu gewinnen.


1. Woche | 10. bis 15. April 2022

Geschlechter

Geschlechter: Ein Dauerbrenner-Thema auf kleiner Flamme oder tatsächlich hochaktuell? Wir denken Letzteres - Warum?

Auf der Basis eines bahnbrechenden Urteils des Bundesverfassungsgerichts kam Ende 2018 ein neues Gesetz heraus, das es ermöglichte eine weitere Geschlechtsidentität anzugeben. Seitdem gibt es nun offiziell, neben männlich und weiblich, divers als drittes Geschlecht. Ende 2018 wurde eine S3 Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: Diagnostik, Beratung und Behandlung“ vorgelegt, zur nachhaltigen Verbesserung der Trans-Gesundheitsversorgung mit individualisierter Behandlung und damit verbundener Abkehr vom One-size-fits-all-Ansatz.

In der Medizin dominieren noch immer männliche Normen und Medikamente werden überwiegend an Männern getestet - wo bleibt da das zweite Geschlecht?

Drückt sich männliche Aggression nicht nur als häusliche Gewalt aus, wie es während der Lockdown-Phasen der Covid-19 Pandemie erschreckend klar wurde, sondern auch als Stolpersteine in weiblichen Karrieren? Gibt es „typisch weibliche“ Formen von Gewalt?

Das Bemühen um Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung hat auch in unsere Sprache Einzug gehalten, ob Gendersternchen, Doppelpunkt oder das gesprochene Gendergap, nicht wenige sehen hier allerdings eher Sprachverhunzung und Cancel Culture statt Fortschritt.

Wie weit sind diese Themen in der Psychotherapieausbildung integriert? Haben wir im Blick, welche Gegenübertragungsgefühle bei einem Cis-Therapeuten (bisher Therapeut genannt) gegenüber einem Trans-Patienten entstehen? Sind unsere bisherigen Konzepte da noch ausreichend?

Wir hoffen, auch Sie finden jetzt: Das sind interessante Themen und wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen und auf Ihre Sicht der Dinge.

2. Woche | 17. bis 22. April 2022

Verantwortung

„Die Verantwortung übernehmen“ ist seit geraumer Zeit sehr häufig zu hören, meist im Sinne einer Aufforderung an bestimmte Gruppen oder Einzelpersonen: Die Jungen sollen Verantwortung für die Alten in der Pandemie übernehmen, Politiker sollen die Verantwortung für ihr Fehlverhalten übernehmen, wir alle sollen Verantwortung für den Klimawandel und die nachfolgenden Generationen übernehmen. Gleichzeitig scheint eine Tendenz sichtbar, Verantwortung eher von sich zu weisen, sich „den Schuh nicht anziehen“ zu wollen und stattdessen mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Verantwortung ist eng mit Schuld verknüpft: Wir tragen Verantwortung für andere Menschen und wenn wir dieser Verantwortung nicht gerecht werden, machen wir uns schuldig. Verantwortung heißt dann auch, zu versuchen, etwas wieder „gerade zu biegen“.

Insbesondere im Kontext des in jüngster Zeit sehr spürbaren Klimawandels entsteht für jeden Einzelnen aber ein nur schwer lösbares Dilemma: Verantwortung drängt uns zum Umdenken und Andershandeln, gleichzeitig ist klar, dass das individuelle Handeln die globalen Prozesse kaum bis gar nicht beeinflussen kann, was massive Ohnmacht auslöst. So bleiben wir allzu oft auf Schuld und Hilflosigkeit sitzen, was viele von uns dazu bringt, die eigene Verantwortung wieder ganz weit von sich zu weisen und evtl. sogar diejenigen zu bekämpfen, die noch nicht resigniert haben und Verantwortung und Veränderungen einfordern.

Wie ersichtlich, berührt uns das Thema Verantwortung unabweisbar - und es fordert uns auch in unseren Therapien. Die aktuell existenzielle Bedeutung von Verantwortung möchten wir zum Anlass nehmen, uns diesem Thema von möglichst vielen Seiten zu nähern. Wir freuen uns auf die sicher regen Diskussionen dazu.


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