68. Lindauer Psychotherapiewochen 2018

Fachtagung zur Fortbildung und Weiterbildung in Psychotherapie, Psychiatrie und Psychosomatik.

Woche 1 | 15. bis 20. April 2018

Erwartung

Eröffnen sich uns neue Räume, auch konkrete Räume wie in der neuen Inselhalle, verknüpft sich diese Erfahrung auch mit neuen Erwartungen darauf, was in Zukunft alles möglich sein wird in diesen neuen Räumen. Die freudigen Erwartungen, die wir mit der neuen Inselhalle verknüpfen, haben uns dazu gebracht, das Thema der Erwartung, das grundsätzlich zum Menschen gehört, uns aber so selbstverständlich erscheint, in den Blickpunkt zu rücken.

Wir Menschen müssen uns auf die Zukunft beziehen, die wir nicht kennen, wir müssen uns diese Zukunft in etwa vorstellen können, sie planen. Wir sind uns innerlich immer auch schon voraus und entwerfen in unseren Phantasien unser Leben auf die Zukunft hin. Wir erwarten immer etwas und erwarten auch, dass andere Menschen auch etwas erwarten. In unseren Erzählungen werden eigene Erwartungen, aber auch Erwartungserwartungen sichtbar, in unseren Enttäuschungen die durchkreuzten Erwartungen. Unsere Erwartungen bald mehr von Angst geprägt, bald mehr von Hoffnung und Zuversicht, folgen oft den Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben, folgen alten Mustern, können aber auch verändert werden.

Unsere Erwartungen haben einen großen Einfluss auf unsere Erfahrungen: Sie können uns blind machen für das, was diesen Erwartungen nicht entspricht. Geringe Erwartungen an unsere Selbstwirksamkeit können dazu führen, dass diese wirklich immer bescheidener wird, letztlich zur „selffullfilling prophecy“ führen. Weil Erwartungen einen so großen Einfluss auf das Erleben haben, spielen sie etwa als das Explorieren von Erwartungen, als Erkennen von Mustern dysfunktionaler Erwartungen, aber auch als das Wecken von Besserungserwartungen, Selbstwirksamkeitserwartungen, Kompetenzerwartungen, eine große Rolle im Rahmen von Psychotherapie. Auch spezifische Erwartungen in der jeweiligen therapeutischen Beziehung müssen immer wieder einmal reflektiert werden, als Erwartungen von den PatientInnen und von den Therapeutinnen und Therapeuten aus, als eine Form von Übertragung, aber auch als unspezifischere Erwartungen an uns als Therapeutinnen und Therapeuten, an unsere Methoden, die wir anwenden. Und: wie viel Erwartung?

Wie also gehen wir mit den Erwartungen um? Wir werden viele Anregungen dazu aus verschiedenen psychotherapeutischen Perspektiven in Vorträgen und Workshops bekommen.


Woche 2 | 22. bis 27. April 2018

Heimat im 21. Jahrhundert

Ist Heimat im 21. Jahrhundert noch, wie in früheren Zeiten, unabänderlich gebunden an den einen Ort der Herkunft, an die dortigen Mitmenschen, Gebräuche, Gerüche und Dialekte - oder ist es vielmehr ein Gefühl von Zugehörigkeit, das mit Bindung und Geborgenheit zusammenhängt, das im Leben aber den Ort der Herkunft transzendiert und übertragbar wird auf andere Orte und auf andere Gruppen von Mitmenschen? Anders gefragt: gibt es für jeden Menschen nur die eine Heimat oder potentiell mehrere? weiter lesen »